In Zeiten von Facebook, Fling und YouNow: Wie schützen wir unsere Kinder vor Übergriffen in der digitalen Welt?

Anlässlich des Safer Internet Tages am 10. Februar 2015 wurde im Café Wahlkreis der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Kontaktaufnahme im Internet bis hin zum physischen Übergriff diskutiert. Julia von Weiler, Diplom-Psychologin und Vorstandsmitglied von Innocence in Danger e.V., führte in die Grundlagen des Kinderschutzes im Zeitalter von Smartphone, Cyber-Grooming und Sexting ein und präsentierte für viele Teilnehmer erschreckende Fakten.

Wo früher Diskussionen um den eigenen Fernseher oder die erste Vespa geführt wurden, wird heute über den Besitz eines Tablets oder Smartphones gestritten. Denn für 94 % der 10 bis 11-Jährigen ist der Zugang zum Internet und der Umgang mit diesem selbstverständlich. In Zeiten, in denen „kein WhatsApp keine Party“ oder „kein Facebook kein Trainingsplan“ bedeutet und die Nutzung des Internets auch für die schulischen Aufgaben unumgänglich geworden ist, müssen Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche für die dort vorhandenen Gefahren sensibilisiert werden. So ist das Internet heute der „Ort“ der meisten sexuellen Übergriffe. „Sexualisierte Internetkontakte führen zu 100% zur physischen Vergewaltigung“ erklärte Frau von Weiler. Zu solcherlei Kontakten kann es über soziale Netzwerke kommen, aber beispielsweise auch über die Chat-Funktion diverser Online-Spiele oder an sich harmlos erscheinender Apps. Hier wurden die Eltern zu verstärktem Hinsehen und Auseinandersetzen mit den neuen Medien aufgerufen. „Wer sich selbst ein Smartphone kauft, hat schon den ersten Schritt zur Kapitulation getan und muss daher umso mehr darauf achten, was das eigene Kind tut“. Problematisch ist allerdings die mangelnde Vertrautheit vieler Eltern mit der modernen Technik, welche von den Kindern oftmals wesentlich schneller und besser erfasst und genutzt wird.

Einigkeit herrschte in dem Punkt, dass auch die Industrie stärker in die Pflicht genommen werden muss. So muss dem übermäßigen Anwerben von Kindern und Jugendlichen, dem Bereitstellen von Apps ohne angemessene Altersgrenze und ohne hinreichende Schutzmöglichkeiten vor Übergriffen entgegengewirkt werden. Konkret wurden hier von Frau von Weiler Sicherheitseinstellungen in Apps genannt, die oft nur über ein Opt-out zu verändern sind, anstatt die erste Zugriffsmöglichkeit durch eine Opt-in-Regelung zu erschweren.

Darüber hinaus forderte die Referentin auch ein stärkeres Engagement von Schulen. Denn „bevor die ersten Hausaufgaben aufgegeben werden, die eine Internet-Recherche voraussetzen, sollte der Lehrer die Eltern hierauf vorbereiten und zur Begleitung der Recherche der Kinder auffordern“. Nur so kann ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Internet gelernt und gelehrt werden. Auf die Sperrbarkeit einzelner Funktionen von Sim-Karten wurde ergänzend aus dem Publikum hingewiesen – eine dem Großteil der Teilnehmer unbekannte Möglichkeit.

Abschließend fasste Frau von Weiler zusammen: „ Aufklärung und Kontrolle, aber auch ein offener kreativer Umgang mit den neuen digitalen Möglichkeiten sowie die Reflexion über das eigene internetbezogene Verhalten von Vorbildpersonen sind notwendig“. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen in einer Zeit der Extreme, die durch sexualisierte Darstellungen beispielsweise in der Musik- und Modeszene geprägt ist, gemeinsam für einen ausreichenden Kinder- und Jugendschutz in den digitalen Medien sorgen.

 

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